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Wir raten dringen zu langfristigen Verträgen
rät Enamo Geschäftsführer Hans Zeinhofer seinen Energiekunden.

Ein lokaler Player in Oberösterreich ist die Nummer 2 am Österreichischen Strommarkt. Das zeigt welche zentrale Bedeutung Linz und Oberösterreich als Industriestandort hat. Dr. Hans Zeinhofer spricht darüber, was seine Industriekunden in Sachen Energiepreise erwarten müssen - oder hoffen dürfen.

Herr Dr. Zeinhofer, Sie sind Geschäftsführer der im Juli gegründeten Enamo. Was sind Ihre Unternehmensziele?
Zeinhofer: Die Enamo GmbH ist klare Nummer 2 am österreichischen Strommarkt, und unser Hauptziel ist es, diese ausgezeichnete Position, die Oberösterreich als bedeutendsten Industriestandort charakterisiert, jedenfalls zu halten.

Linz AG und Energie AG zusammen - Wie treten Sie gegenüber Ihren Kunden auf?
Zeinhofer: Gegenüber unseren Haushalts- und Gewerbekunden treten wir wie bisher als Energie AG bzw. Linz AG auf und nützen diese beiden modernen und bestens eingeführten Marken. Wir kommen damit dem Bedürfnis unserer Kunden nach regionaler Nähe sowohl in der Kundenbetreuung als auch in der Stromproduktion entgegen. Unsere Industriekunden werden direkt aus der Enamo heraus bedient – mit spezifischen, genau für diese Kunden passenden Angebote, die das Einkaufsrisiko für beide Seiten minimieren.

Rund um Linz gibt es viel energieintensive Industrie. Mit welcher Preisentwicklung müssen Ihre Industriekunden rechnen?
Zeinhofer: Leider können wir uns nicht vom internationalen Strommarkt abkoppeln, daher trifft uns die Entwicklung der Großhandels-Strompreise direkt. Die Preise für Strom am zentraleuropäischen Markt sind seit der Marktöffnung 2001 um das 3,5-fache gestiegen (nach einem massiven Preisverfall in den Jahren zuvor). Im Lichte dieser Entwicklung, deren Ende für uns nicht absehbar ist, raten wir unseren Industriekunden dringend zum Abschluss möglichst langfristiger Verträge.

Welche Bedeutung hat die Beratung und die individuelle Lösung für den Stromvertrieb?
Zeinhofer: Im Großkundenvertrieb kann es nur eine individuelle Betreuung und Beratung geben und das Angebot möglichst flexibler Produkte. Beratung spielt aber auch bei den Privatkunden eine ständig wachsende Rolle, aktuell getrieben durch die Anforderungen aus dem Energieeffizienzerfordernis. Der Energieverbrauchszuwachs muss gedämpft werden, wenn wir nicht in eine Versorgungslücke oder in unfinanzierbare Energiepreise hineinlaufen wollen. Dafür gibt es klare Zielvorgaben, die wir mit unseren Kunden gemeinsam erreichen wollen.

Wie stellt sich ein österreichisches Unternehmen im Energiesektor zum Thema Klimawandel und Umwelt? Können wir da etwas verändern oder bewegen?
Zeinhofer: Man muss meiner Meinung nach nicht vom Klimawandel überzeugt sein, es genügt die Einsicht, dass die fossilen Rohstoffe immer knapper und immer teurer werden. Ich persönlich vertraue auf die Mechanismen des Marktes, die einen Wandel in Richtung umweltfreundlicheres Wirtschaftssystem bewirken werden. Ab nächstem Jahr beispielsweise benötigt jedes zum Verkauf anstehende Gebäude einen Energieausweis, mit dem der Energieverbrauch transparent wird. Als Folge davon wird es verstärkt zu betriebswirtschaftlich sinnvollen Investitionen in Wärmedämmung und moderne Heizanlagen kommen.

Über Vision und Realität bei industriellen Prozessen


Karl-Heinz Täubel, Geschäftsführer der Siemens Tochter unitIT im Interview

Sind die industriellen Prozesse wirklich schon so ausgereizt? Gibt es bei all der Automation, Mobilität und Flexibilität noch Potential effizienter, schlanker, flexibler zu werden. Nicht in der technischen Revolution, sondern in der Revolution der Prozesse durch bestehende Technologien stecken - so ist Täubel überzeugt – noch gewaltige Optimierungschancen.

Die Industriellen Prozesse sind seit Jahrzehnten im Brennpunkt der Aufmerksamkeit von Wissenschaft, Forschung und Technologieanbietern. Gibt es überhaupt noch wirkliches Optimierungspotential, oder sind wir an der Grenze der Optimierbarkeit angelangt?
Täubel: Das Angebot an technolgischer Innovation ist heute natürlich sehr groß. Aber der Unterschied zwischen Vision und Realität ist es ebenso.
Das Ausmaß an umgesetzten modernen IT-Infrastrukturen ist beispielsweise wesentlich kleiner als man vermuten würde. Die Kunst ist schließlich, einen sinnvollen Spagat zwischen Modernität und Standard zu finden, der ein Optimum an Wirtschaftlichkeit bringt. Viele Unternehmen warten tendenziell zu lange ab, bevor sie große Investitionen tätigen. Leider ist dies aber meist dadurch bedingt, dass sie mit dem Tagesgeschäft überfordert sind und daher strategische IT-Entscheidungen oft vernachlässigt bleiben.

Welche konkreten Optimierungsfelder sehen Sie bei österreichischen Industriebetrieben? Wo geht durch Schnittstellen Geld verloren?
Täubel: Wesentliche Optimierungen sehe ich insbesondere im bereichsübergreifenden Zusammenspiel aller Akteure. Von der Produktentwicklung über die Materialwirtschaft bis zur Produktion und Maschinenebene sollten IT-Systeme alle Prozesse nahtlos unterstützen. Heute herrscht "Abteilungsdenken" vor, das durch getrennte Systemwelten zusätzlich unterstützt wird. Das Herzstück, die Produktion, ist oftmals eine Insellösung, wo Erkenntnisse aus dem Produktionsumfeld immer noch zu wenig in die Neuentwicklung von Produkten Einfluß nimmt. Spätenstens in der Schnittstelle von der Produktion zum Lager findet man heute oft große Systembrüche vor, die überhaupt nicht notwendig wären. In vielen Industriebetrieben hat man noch nicht erkannt, dass Investitionen in die IT das eigentliche Kerngeschäft nicht nur möglich machen, sondern diese massiv beschleunigen und die Gesamtqualität deutlich verbessern.

Sie betreuen Unternehmen von der Lebensmittelindustrie bis zum Baustoffproduzenten. Gibt es so etwas wie einen gemeinsamen Nenner bzw. inwieweit sind alle diese Branchen miteinander vergleichbar?
Täubel: Ein gemeinsamer Nenner ist das Steigen der Bedeutung von Lieferverfügbarkeit und -geschwindigkeit. Der Konsument ersetzt nicht verfügbare oder zu spät eingetroffene Ware durch ein alternatives Produkt, das zum Kaufzeitpunkt verfügbar ist. Zeit wird zum immer wichtigeren Faktor, Qualität sowieso vorausgesetzt. Die Reibungslosigkeit im Abarbeiten von Geschäftsprozessen bedingt ein transparentes, funktionierendes ERP-System. Auf den ersten Blick ist hier zwar in den letzten Jahren viel passiert, wir sehen jedoch, dass selbst bei größeren Betrieben immenses Optimierungspotenzial ganz einfach im sauberen Abbilden von Geschäftsprozessen besteht. Erst wenn diese "Hausaufgaben" gelöst sind, kann ein technolgischer Shift weitere Optimierungspotenziale heben.

Welche technischen Revolutionen erwarten Sie für das kommende Jahrzehnt?
Täubel: Ich bin davon überzeugt, dass das Schlagwort "IT aus der Steckdose" sich schleichend realisieren wird. Basisfunktionalitäten in unserer Branche werden so wie heute der Strom, Fernsehen oder Internet sehr trivial und standardisiert abrufbar sein. Als IT-Dienstleister und insbesondere IT-Outsourcer bedeutet dies einerseits einen gewaltigen Preisverfall von Standarddiensten, andererseits ein enormes Potenzial bedingt durch Standardisierung.
Ich erwarte zudem, dass im Bereich "Supply Chain Management" vieles von dem Realität wird, was heute erst auf Folien existiert. Ich denke, es werden weniger die technologischen Revolutionen sein, die unser Leben nachhaltig verändern - sondern vielmehr das Ausnutzen verfügbarer Technologien zur Umsetzung neuer Prozessansätze.


Welche Bedeutung haben mobile Lösungen in modernen Industriebetrieben?
Täubel: Mobile Lösungen halten seit vielen Jahren Einzug in unsere Industriebetriebe. Heute ist eine Warenlogistik ohne der Unterstützung mobiler Devices völlig undenkbar. Mobile Lösungsszenarien sind jedoch nur dann wirklich zielführend, wenn sie im Hintergrund technologisch sauber aufgesetzt sind und Schnittstellen professionell gelöst sind. Speziell in komplexeren, gewachsenen Strukturen können mobile Lösungen ansonsten zu versteckten Aufwänden und somit zu Nebenkosten führen. Wir sind gerade deshalb immer den Weg des Generalunternehmers gegangen, der von der Konzeption über die Realisierung bis hin zur Wartung die volle Verantwortung übernimmt - und: der Erfolg gibt uns recht.
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